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Am Anfang war das Feuer

Die Lebensgeschichte von Wolfgang Michael Kindle

Zeitlos. Grenzenlos. Glücklich. Absolut furchtlos.

Am Anfang war das Feuer.

Nicht das Feuer, das zerstört. Sondern jenes, das wärmt, antreibt und Licht schenkt. Dieses Feuer begleitet mich, seit ich denken kann. Es hat mich gelehrt, niemals stehen zu bleiben, sondern meinen eigenen Weg zu gehen – auch wenn er oft anders verlief als der der meisten Menschen.

Ich wurde am 8. Oktober 1963 geboren. Schon als Kind faszinierte mich der Mensch. Sein Gesicht, seine Ausstrahlung, seine Persönlichkeit. Haare waren für mich nie bloss Haare. Sie erzählen Geschichten. Sie spiegeln Gesundheit, Lebensfreude und Charakter.

Mit vierzehn Jahren begann ich meine Lehre als Damen- und Herrenfriseur. Während andere einen Beruf erlernten, fand ich meine Berufung. Ich wollte nicht einfach Haare schneiden. Ich wollte Menschen verändern – nicht äusserlich allein, sondern ihnen ein gutes Gefühl schenken.

Nach meiner Lehrzeit führte mich mein Weg durch verschiedene Salons in der Schweiz. Jeder Arbeitsplatz wurde zu einer Schule des Lebens. Ich lernte von Menschen, von Erfolgen und von Fehlern. Gleichzeitig zog es mich immer weiter. In die Gastronomie, in die Krankenpflege, in die Physiotherapie. Rückblickend erkenne ich, dass alles miteinander verbunden war. Es ging immer um den Menschen.

1988 erfüllte ich mir einen Traum und eröffnete meinen ersten eigenen Salon Les Créateurs. Dort begann meine kreative Zeit. Ich entwickelte eigene Ideen, gab Frisuren Namen und suchte nach neuen Techniken. Internationale Ausbildungen führten mich nach London und zu renommierten Akademien. Ich wollte nie kopieren. Ich wollte verstehen.

Mit den Jahren wurde mir bewusst, dass Schönheit nicht von Chemie lebt. Gesundes Haar braucht eine gesunde Grundlage. Diese Erkenntnis veränderte mein Leben.

1999 begann ein neuer Abschnitt. Ich liess mich in Wien zum Bader ausbilden und eröffnete den Naturcoiffeur Der Bader. Damit begann mein eigentlicher Lebensweg. Natur, Pflanzen, Gesundheit und traditionelles Wissen verschmolzen mit modernem Friseurhandwerk. Aus einem Salon wurde eine Philosophie.

Ich entwickelte Naturkonzepte, arbeitete mit Pflanzenhaarfarben, stellte Naturkosmetik her und suchte stets nach Wegen, den Menschen und die Natur wieder näher zusammenzubringen. Jeder Kunde brachte seine eigene Geschichte mit. Zuhören wurde ebenso wichtig wie Schneiden.

Doch mein Leben spielte sich nicht nur im Salon ab.

Die Natur wurde auch ausserhalb meiner Arbeit zu meiner Lehrmeisterin. Mit meinem Hund entdeckte ich den Sport. Wintertriathlon, Ski-Jöring, Bike-Jöring und Cani-Cross wurden zu einer zweiten Leidenschaft. Internationale Wettkämpfe führten mich bis zu Europa- und Weltmeisterschaften. Nicht Medaillen waren mein Ziel. Ich wollte erfahren, wie weit Vertrauen, Ausdauer und der gemeinsame Weg mit einem Tier einen Menschen tragen können.

Auch schwierige Jahre blieben nicht aus. Die Corona-Pandemie stellte viele Existenzen auf die Probe. Doch jede Krise birgt die Chance, sich neu zu besinnen. Ich blieb meinem Weg treu. Ohne Angst, aber mit Respekt vor dem Leben.

Mit den neuen Geschäftsräumen beginnt ein weiteres Kapitel. Mehr als vier Jahrzehnte Berufserfahrung liegen hinter mir. Und doch fühlt es sich nicht wie ein Ende an. Es ist ein neuer Anfang.

Heute weiss ich, dass mein Weg nie nur der eines Friseurs war.

Ich durfte Handwerker, Gestalter, Unternehmer, Lehrer, Sportler, Naturfreund und Zuhörer sein.

Vor allem aber durfte ich Mensch sein.

Wenn ich zurückblicke, erkenne ich einen roten Faden.

Nicht Erfolg.

Nicht Besitz.

Nicht Ruhm.

Sondern das Feuer.

Es brennt noch immer.